1968 hat der Liedermacher Franz-Josef Degenhardt (1931-2011) in seiner „Ballade von den Weißmachern“ einen Chemiker besungen, der nach dem Studium sein Leben mit dem Entwickeln von Seifen verplempert. Von ihm habe ich mich zu meiner „Ballade von den Testmachern“ anregen lassen, mit der ich meine Psychologische Diplom-Arbeit (Thema: AAT / The Achievement Anxiety Test) abgeschlossen habe und die ich hier ans Ende meines Internet-Auftritts stelle.

Ballade von den Testmachern

Einst kam ein fleißiger Scholar
per ZVS ins Studium.
Er zog aus einer Lernfabrik
in eine andre um:
Ins Institut für Psych’logie.
Mit vielen andern lernt er da
vier, fünf, sechs Jahr viel Theorie,
die aus Papier nur war.
Und hat sein Lebtag nicht gefragt,
warum er solchen Unsinn macht.

Und er bekam zum Lohn dafür
Schein und Diplom und manches Lob.
Das war sein geist’ges Eigentum,
das stolz die Brust ihm hob.
Da ließ er keinen Zweifel rein.
Dann testet, testet, testet er
als Psycholog jahraus, jahrein,
nach Watson, Skinner, Ames, Habér.
Und ward sein Lebtag nicht gefragt,
warum er solchen Unsinn macht.

Und als er fünfzig Jahr alt war,
fing sein Neurös’chen an zu blühn.
Er kotzte in die Skinnerbox
die hunderttausend Theorien.
Die Ratten starben an dem Gift,
doch er hat nichts kapiert,
er war durch ernste Wissenschaft
zu sehr konditioniert.
Ach, hätt er einst doch nur gefragt,
warum er solchen Unsinn macht.

In diesem Studienprozess
wird Fachidjot, wer stur studiert.
Du änderst dich solange nicht,
bis du das hast kapiert.
Denn wofür ist die Uni da?
Für ’s Menschen Glück? Für Theorien?
Drum laß mal frische Luft herein,
laß tausend Blumen blühn!
Und das sei nicht nur so gesagt,
es kommt drauf an, dass man es macht.