In meiner eigenen analytischen Gruppen-Psychotherapie war ich in einer Gruppe von ca. 12 Klienten, die sich 1 mal pro Woche zur Gruppentherapie in der Praxis des The-rapeuten traf. Zwischen den Sitzungen und in den Sitzungsferien war ich mit der Bear-beitung meiner Ängste und Depressionen auf mich allein gestellt. Damals begann ich mit einer speziellen Technik, mit der ich mir sehr geholfen habe und die ich „Emotional-Analytische Eigentherapie“ nenne.

Wenn mich Ängste oder depressive Schübe trafen, habe ich sie mir „von der Seele“ geschrieben. Die Angst löste sich, der aktuelle depressive Schub ließ schnell nach, so dass es mir innerhalb von Viertelstunden besser ging. Zudem wiederholten sich die Schübe im Lauf der Zeit in größeren Abständen und in geringe­rer Intensität.

Später bin ich dazu übergegangen, jede emotionale Bewegung aufzuschreiben, also auch, wenn ich mich in einer wichtigen Frage nicht entscheiden konnte oder sonst-wie „festsaß“, aber auch, wenn ich mich über etwas gefreut habe oder wenn mir et-was Wichtiges spontan klar wurde.

Neben den therapeutischen Sitzungen und der Bearbeitung meiner Träume war diese „Emotional-Analytische Eigentherapie“ wesentliches Element meiner Therapie. Des-halb empfehle ich sie jedem Klienten. Wichtig ist, dass sie sein alleiniges Werk ist, in das kein anderer (auch nicht der Therapeut) einwirkt.

Für die Emotional-Analytische Eigentherapie gelten folgende Regeln:

A) Kaufen Sie sich eine Kladde (Buch mit leeren Seiten), die Ihnen gefällt. Nehmen Sie sich fest vor, sie niemandem zu zeigen. Andernfalls kann es sein, dass Sie sich beim Gedanken „wenn das mal jemand liest….“ zensieren und etwas unterdrücken.

B) Schreiben Sie (per Hand) immer dann und nur dann in diese Kladde, wenn Sie emo-tional bewegt sind. Schreiben Sie sich „aus dem Bauch heraus“ in einfacher „kindli-cher“ Sprache (Telegrammstil / Stichworte) aus (im Sinn von „sich aus-sprechen, sich ausweinen“), wie Sie sich fühlen, damit Sie nicht um Formulierungen ringen. Nehmen Sie sich ein kleines Kind als Vorbild, das einfach nur seinen Kummer / Schmerz und seine Freude herausschreit).

C) Achten Sie auf Ihre plötzlichen Einfälle. Sie haben absoluten Vorrang vor allem an-deren, auch wenn Sie keinen Zusammenhang mit Ihrem aktuellen Thema sehen. Be–ginnen Sie einen neuen Absatz mit „Einfall“: …… und schreiben Sie dann genau so Ihren Einfall auf.

D) Kommt Ihnen während dieses Einfalls ein weiterer Einfall, verfahren Sie so wie unter Punkt C beschrieben.

E) Sind Sie mit einem Einfall fertig, kehren Sie zu dem Thema zurück, bei dem Sie sich zuletzt unterbrochen haben.

F) Es geht allein darum, dass Sie Ihre Gefühle und Einfälle als die Sprache Ihres Unbewussten ernst nehmen und beachten. Es geht in keinster Weise darum, etwas zu dokumentieren oder intellektuell-rational zu erklären. Vermeiden Sie daher auf jeden Fall, etwas zu begründen oder zu kommentieren. Rationales Denken ist hier Gift!

G) Schreiben Sie zunächst nur auf die linke Seite der aufgeschlagenen Kladde und lassen Sie die rechte Seite (ungerade Seitennummern) frei. Wenn Sie nach längerer Zeit zurückblättern und lesen, was Sie früher geschrieben haben, wird Ihnen wieder etliches einfallen, das Sie dann auf die rechte Seite schreiben können.

H) Führen Sie immer einen Stift und einen Zettel mit sich. Dann können Sie Einfälle notieren, wenn Sie Ihre Kladde gerade nicht zur Hand haben.

Schon nach wenigen Einträgen werden Sie merken, dass Sie sich besser kennen-lernen und besser fühlen.

Und noch eins:

Kennen Sie jemand, dem / der Sie mit diesem Text helfen können??????????

Viel Erfolg!