In einem abgelegenen Tal im Himalaya lebt ein Mönch, der im Ruf steht, sehr weise zu sein. Manchmal besuchen ihn Menschen aus den umliegenden Dörfern. Sie schätzen ihn wegen seiner Güte und seines Rates, um den sie ihn manchmal bitten. Oft bringen sie ihm Gaben für seinen Lebensunterhalt.

Eines Tages besucht ihn eine Gruppe Europäer. Ihr Sprecher sagt zu dem Mönch: „Meister, wir haben gehört, dass du sehr weise und trotz deiner Armut mit deinem Leben sehr zufrieden bist. Wir möchten von dir lernen und bitten dich, uns zu sagen, wie du das machst, damit wir auch so zufrieden leben können.“

Der Mönch sprach: „Das ist ganz einfach. Morgens, wenn mich die Sonne geweckt hat, begrüße ich sie und den neuen Tag. Dann stehe ich auf, nehme ein Bad im Bach, der hier hinter meiner Hütte fließt . Danach bin frisch und munter. Dann bereite ich mir mein Frühstück und setze mich damit auf die Bank vor meiner Hütte.

Nach dem Frühstück spüle ich das Geschirr und gehe dann spazieren. Ich genieße die Farben und Düfte der Natur und lausche den Stimmen des Windes und der Tiere. Manchmal kommt ein Tier auf mich zu, wir schauen uns an, es kommt näher und stupst mich an. Dann streichle ich es, wenn es das möchte. Ich spüre, dass die Tiere mich mögen und glaube, auch sie spüren, wie ich mich über unsere Begegnung freue.

Wenn die Sonne am höchsten steht, kehre ich zu meiner Hütte zurück, bereite mir mein Mittagessen und genieße es dann. Danach spüle ich noch mein Geschirr, lege mich nieder und schlafe kurze Zeit. Wenn ich wieder erwacht bin, lese ich in einen meiner Bücher bis es so dunkel wird, dass ich nicht mehr lesen kann.

Dann denke ich über das Gelesene nach und freue mich darüber. Meistens bin ich dann so müde, dass ich mich niederlege und bis zum nächsten Morgen fest schlafe.“

Die Gruppe hatte aufmerksam zugehört und schwieg. „Großer Meister“ sagte dann der Sprecher der Gruppe. „In unserer Heimat gehen wir zwar tagsüber in unsere Büros und Werkstätten und nur am Wochenende spazieren, aber im Prinzip machen wir alles fast so wie du. Wie kommt es, dass wir trotzdem immer unruhig und unzufrieden sind?“

„Nein“ sagte der Mönch, „Ihr macht es nicht so, sondern: Wenn Ihr frühstückt, dann denkt Ihr schon an eure Arbeit, und wenn Ihr dann bei eurer Arbeit seid, denkt ihr an die Mittagspause. In der Mittagspause denkt ihr an eure Nachmittagsarbeit und wenn ihr bei eurer Nachmittagsarbeit seid, denkt ihr an euren Feierabend. Und wenn ihr dann am Feierabend mit euren Familien zusammen sitzt und die Kinder mit euch spielen wollen, dann denkt ihr schon an den nächsten Tag.“